anna natt, berlin

dame gothel ... it hurts to be beautiful

«Meine Großmutter las mir früher oft das Märchen von Rapunzel vor. Ich erinnere mich daran, wie leidenschaftlich sie vom Verlangen der schwangeren Frau nach der Rapunzel erzählte. Es waren die einzigen Momente, in denen ich sie so etwas wie Verlangen ausdrücken hörte und eine Ahnung davon bekam, dass es hinter ihrer korrekten und anständigen Fassade noch eine andere Seite ihres Charakters gab.

Meine Großmutter spielte eine wichtige Rolle in meiner Entwicklung und versuchte meiner Schwester und mir viele Lektionen, wie wir «richtige Damen» werden zu erteilen. Sie arrangierte beispielsweise Abenddinners, um uns Tischmanieren beizubringen, und erklärte, wie eine Dame vorsichtig die Serviette auf ihren Schoss legen sollte, bevor sie zu essen beginnt. Sie zeigte mir, wie ich mir die Nägel richtig feile und sagte oft «wer schön sein will, muss leiden»– «it hurts to be beautiful.»

Märchen wie Rapunzel spielen an magischen Orten außerhalb des Alltäglichen, in Parallelwelten, verzauberten Wäldern, uneinnehmbaren Türmen und endlosen Wüsten. Viele dieser Märchen beschreiben, wie gefährlich es ist, dem eigenen Begehren nachzugehen. «Dame Gothel...it hurts to be beautiful» lockt das Publikum in solch eine magische Welt voller Harfen, Haare und Pferde und fragt nach dem Preis der Schönheit.

english version

«My grandmother often read the fairy tale Rapunzel to me, she spoke with passion about the burning desire of a pregnant woman. On the other hand she would be very conscious about appearances. For instance, she would organize dinners in order to teach us table manners. She would show me how to manicure my nails. She often said: it hurts to be beautiful.»
Through topics and symbols of fairy tales and myths, «Dame Gothel...it hurts to be beautiful» carries the audience into a magical world full of cords, hair and horses.

REGIE, PERFORMANCE Anna Natt MUSIKALISCHE LEITUNG, HARFE Sissi Rada DRAMATURGIE Mariona Naudin HARFE Anna Steinkogler, Lucie Delhaye TECHNISCHE LEITUNG, LICHTDESIGN René Heinrichs
Eine Produktion von Anna Natt in Koproduktion mit Freischwimmer

 

Bevor Anna Natt nach Berlin zog, machte sie von 2000-2005 eine Flamenco-Ausbildung in Sevilla, Spanien. Ihre mulitmedialen Arbeiten untersuchen die Überschneidungen von Tanz, Performance und Video und wurden in internationalen Gallerien und alternativen Spielorten gezeigt.  Um ein grösseres Verständnis für den Körper und seine Nuancen zu kultivieren, umfassen ihre Arbeiten neben dem Flamenco somatische und zeitgenössische Bewegungspraktiken.

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